Ortsbesichtigung am Gschwendtnerfeld in Oberaudorf. Foto: Michael M. Mermingas

Ludwig Hartmann und Victoria Broßart besuchen Oberaudorf

Die Tatsache, dass in Oberaudorf 3 Hektar landwirtschaftliche Fläche zu einem Gewerbegebiet umgewandelt werden sollen, schlägt inzwischen auch überregional hohe Wellen. Am Freitag, 18. Juni 2021, kamen der Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, Ludwig Hartmann, und die Bundestagskandidatin im Landkreis Rosenheim, Victoria Broßart, nach Oberaudorf, um sich über die Situation vor Ort zu informieren. Ludwig Hartmann ist seit 2008 Abgeordneter des Bayerischen Landtags und war 2018 Mitinitiator des Volksbegehrens gegen den Flächenfraß.

Direkt am Gschwendtnerfeld trat er mit betroffenen Bürgern und den anwesenden Vertretern der Presse in Dialog. Nach Ansicht Hartmanns bedrohe der ausufernde Flächenfraß, die Natur und die gewachsenen Kulturlandschaften Bayerns. Die Folgen seien verheerend: Gerade im engen Inntal gingen den Bauern immer mehr Flächen verloren. Laut Aussage von in Oberaudorf ansässigen Bauern führt das schon jetzt dazu, dass bäuerliche Betriebe ihre Felder in Nachbargemeinden pachten, oder sogar den Hof aufgeben müssen, weil sie keine Futtermittel für ihre Tiere mehr herstellen können.

Ludwig Hartmann informierte darüber, dass zukünftig in Bayern große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit infolge der Klimaüberhitzung immer häufiger vorkommen würden. Durch die zunehmende Versiegelung könne das Regenwasser nicht mehr versickern und Hochwasserereignisse würden so verstärkt. Die Funktion des Bodens als Puffer im Wasserhaushalt und Speicher von Grundund Oberflächenwasser werde gestört. Der ausufernde Flächenverbrauch verringere die Artenvielfalt und verschlechtere lokale Klimabedingungen.

Auch die fadenscheinigen Argumente der Befürworter – Gefährdung der Nahversorgung, Gewerbesteuer-Einnahmen, klimaneutrales Bauen – seien Land auf, Land ab, immer dieselben und weder zeitgemäß, noch realistisch. Die Umweltbelastungen, die infolge von großen Flächenversiegelungen entstehen, belasten die nächsten Generationen über Jahrhunderte. Selbst das klimaneutralste Bauwerk der Welt kann nichts daran ändern, dass laut dt. Emissionshandelsstelle bei der Erzeugung von einer Tonne Zement 590kg CO2 entstehen. Hierzulande wurden 2019 34 Mio. Tonnen Zement verbaut, dies entspricht ca. 20 Mio. Tonnen CO2.

Das Gschwendtnerfeld hingegen speichert im Humus etwa 1000 Tonnen CO2 und produziert über seine Biomasse ca. 34 Tonnen Sauerstoff pro Jahr. Ganz zu schweigen von den gesunden Lebensmitteln wie z.B. Milch und Fleisch, die regional daraus hergestellt werden. Auch für eine dorfnahe Gemüseproduktion, wären die 3 Hektar geeignet.

Natürlich sind die Grünen nicht so realitätsfern, von einer beton- bzw. baufreien Nation zu träumen, jedoch sollten wir unbedingt davon Abstand nehmen, unnötige Versiegelungen in diesem Ausmaß durchzuführen. „Denken, bevor der Bagger kommt“, sagt Ludwig Hartmann. Bevor eine weitere Grünfläche zubetoniert wird, unbedingt nach Alternativen suchen, denn Grund und Boden bekommen keine Kinder. Eine Alternativlosigkeit sei in Oberaudorf nicht erkennbar, meint Regina Götze, Gemeinderatsmitglied von Bündnis90/Die Grünen. Das bestehende Gewerbegebiet direkt neben dem Gschwendtnerfeld sei bei weitem nicht ausgelastet und beherberge schon jetzt unansehliche Brachen.

Bundesweit lassen sich Kommunen wie Oberaudorf von Großkonzernen erpressen, um neue Gewerbegebiete für sie aus dem Boden zu stampfen. „Es gibt keinen Grund, sich vor solchen Konzernen, die unseren regionalen Einzelhandel bedrohen, in den Staub zu werfen“, meint Michael Mermingas, Gemeinderatsmitglied von Bündnis90/Die Grünen. „Wer vorhat, gute Gewinne vor Ort zu generieren, sollte auch dazu bereit sein, vorhandene Strukturen anzunehmen.“ rg/mm

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